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DER TOTENBAUM -
ein Auszug aus "Das magische Licht"


An manchen Stellen sind die Farne so hoch, dass sie Georgina bis zum Bauch reichen. Der Wald ist unendlich groß. Georginas Beine sind zerkratzt, und sie hat das Gefühl, Set humple seit Stunden vor ihr her, ohne sich umzusehen. Auch ihre Frage hat er offenbar nicht gehört.

«Können wir nicht mal Pause machen?», ruft sie noch einmal und schaut sich nach einem Platz um.

«Wir müssen die Quelle finden», wiederholt Set. Die Feuchtigkeit der Lederweste ist durch sein Hemd gedrungen, und es klebt an seinem Rücken.

«Woher weißt du überhaupt, dass es eine Quelle gibt?»

«Es muss hier eine Quelle geben, sonst hätten die andern nicht überlebt.»

«Die anderen?»

«Connor, Sualtam ...» Alle Schüler von Scathach sind auf der Insel gewesen und viele wurden berühmte Krieger, Blai der Reiche, Fergus der Starke, der weise Sencha. Connor, der König von Ulster, ist Sets Onkel und Sualtam sein Ziehvater. Nach seiner Geburt haben sich die Männer an Connors Hof gestritten, wer Set aufziehen durfte. Zum Schluss fragten sie Morann, den Gerechten. Sets Mutter sagte, sie werde mit Sualtam leben, und da sagte Morann, dann solle dieser auch Sets Ziehvater sein. Sualtam hatte schwarzes Haar und Falten unter den Augen. Set mochte ihn und er hatte sich oft gewünscht, Sualtam wäre sein richtiger Vater.

Georgina hat unter einem dunklen, buschigen Baum ein trockenes Stück Waldboden entdeckt, wo sie sich hinsetzten könnten.

«Dort», sagt sie. Set dreht sich um.

«Aber das ist eine Eibe», warnt er.

«Und wenn schon.» Georgina steht bereits vor dem Baum und streicht über seine dunkelgrünen Nadeln. Sie hat diese Art von Bäumen auf Friedhöfen gesehen.

«Sie ist böse», ruft Set.

«Sie sieht aber nicht sehr böse aus», spottet Georgina. Die Nadeln fühlen sich wie der Pelz eines großen Tieres an, dicht und warm. Warm? Etwas streift ihre Schultern.

«Nein!», schreit Set, aber da schlingt sich bereits ein Ast um Georginas Taille. überrascht blickt sie an sich herunter.

«Beweg dich nicht!», ruft Set. Georgina versucht sich aus dem Griff zu lösen. Ein zweiter Ast windet sich um ihre Brust.

«Bleib ruhig», schreit Set. «Je mehr du dich wehrst, umso fester hält sie dich.» Die äste ziehen sie in den Baum.

«Aber ich bin gefangen», kreischt Georgina und rudert mit den Armen in der Luft. Der nächste Zweig legt sich um ihren Hals. Set sieht sich um. Wenn er einen Speer hätte, ein Schwert, irgendetwas -

«Hilf mir», ruft Georgina. Ihre Stimme klingt gepresst und ihre Beine sind bereits in den Nadeln verschwunden.

Oder einen Stein, einen Stock -

«Bitte!», jammert Georgina. Nun sind auch ihre Arme weg und gleich werden sich die Zweige über ihr Gesicht legen. Set hat gar nichts, außer seinen Händen -

«Set!» Es ist nur noch ein Zipfel von Georginas Mantel zu sehen. Set erinnert sich an seine allererste Prüfung. Er musste mit bloßen Füßen über glühende Steine springen. Er hatte sich genauso gefühlt wie jetzt und dann war er einfach losgerannt. Mit einem Satz ist Set bei der Eibe. Die Zweige rühren sich nicht. Er greift in die äste hinein: «George?» Er bohrt tiefer, spürt Nadeln, Rinde.

«George?» Er glaubt ein Röcheln zu hören. Da, das muss ihr Mantel sein, seine Finger berühren etwas Weiches.

«George - bleib ganz ruhig.» Sets Arme stecken bis zu den Schultern in dem Baum. «George?» Es ist nichts mehr zu hören.

«George?», brüllt Set und taucht mit dem Kopf in den Baum hinein «George!»


«Wie hast du das gemacht?», fragt Georgina. Sie sitzen ein Stück weit von der Eibe entfernt und Georgina zupft Nadeln aus ihrem Mantel. Ihre Hände zittern. Sets Arme sind von roten Kratzern bedeckt. Georgina spürt das Stechen der Nadeln noch auf ihren Wangen.

Es war, wie wenn unzählige Hände nach ihr griffen, sie packten, hielten. Die Zweige schoben sich vor ihre Augen. Die Nadeln waren in ihren Haaren, in ihrem Gesicht, und dann waren sie auch in ihrem Mund - der bittere Geschmack klebt noch auf ihrer Zunge.

«Wie hast du das gemacht?», fragt sie noch einmal.

«Ich weiß nicht», antwortet Set kleinlaut. Die eine Seite der Eibe ist vollkommen zerfetzt. Die äste liegen auf dem Boden zerstreut und die rotbraune Rinde hängt in Fetzen vom Stamm.

«Du weißt es nicht?» «Es heißt, mein Vater - » Set verstummt. Die Eibe sieht aus, als habe ein riesiges Maul ein Stück aus ihr herausgebissen. Georgina erinnert sich an Sets Schrei. Er kam aus weiter Ferne und sie konnte sich schon nicht mehr rühren. Sie glitt tiefer und tiefer in die Dunkelheit. Als sie die Augen wieder aufschlug, lag sie inmitten der abgerissenen Zweige, und Set saß neben ihr.

«Und warum hat mich der Baum, ich meine, was hat mich - » Georgina stockt, es klingt so unsinnig.

«Es heißt, die Eiben sind die ältesten Bäume in dieser Welt», erklärt Set, «und in ihren Wurzeln liegen die früheren Bewohner des Landes, jene vom Stamm der De Danaan, die von unseren Vorfahren getötet wurden. Darum sind sie giftig und schaden uns, wenn sie können.» Georgina betrachtet den Baum.

«Du meinst, in ihm ist eine Art Geist?»

«Ja, wie in allem», sagt Set und hält den Kopf schräg. Georgina blickt sich um. Die Sträucher und Farne kommen ihr mit einem Mal sonderbar vor.

«Und das sind alles diese Leute, die ihr umgebracht habt?»

«Nein, nur in den Eiben, das sind Totenbäume, und wir haben auch nicht alle getötet. Die meisten der De Danaan sind von sich aus nach Magnel gegangen, wie die Fomore, denen das Land vor ihnen gehörte, und die nur einen Arm und ein Bein haben. Die sind nun auch in der anderen Welt. Aber das weißt du ja alles», unterbricht sich Set.

«Nein.» Georgina denkt an den Einäugigen in dem Sagenbuch. Macht Set sich lustig über sie? «Und wie bewegen sie sich auf einem Bein?», will sie wissen.

«Sie verwandeln sich», erklärt Set ernst. «Sie können jede Gestalt annehmen, die sie wollen.» Georgina hört ihm misstrauisch zu.

«Und gibt es auch Einäugige darunter?», erkundigt sie sich.

Set zuckt zusammen.

«Ja.» Seine Stimme ist heiser. «Balor, der Anführer der Fomore, der Herrscher über Zerstörung und Dürre.»

Georgina mustert ihn nachdenklich.

«Aber den kennst du», fügt Set hinzu. «Du kommst doch auch aus Magnel.»

«Ich?», fragt Georgina erstaunt.

«Ja, du bist doch vom Stamm der De Danaan, eine Side.»

Georgina fühlt sich plötzlich ganz komisch. Set hat sie schon einmal so genannt.

«Eine Side?»

«Eine Fee», fügt er hinzu.

«Aber ich bin doch keine Fee», entgegnet Georgina bestürzt.

«Was bist du denn sonst?»

«Ich bin ein gewöhnliches Mädchen.» Sets denkt an die Mädchen auf Sualtams Hof. Sie kicherten, wenn er vorbeiging, und Ferdia, sein Ziehbruder, hatte gesagt, er solle sie nicht beachten.

«Aber du hast doch Morrigu vertrieben?», beharrt Set. «Die Krähe. Mit dem Stein.»

«Ich habe keine Ahnung, wie der Stein in meine Hand kam», versichert Georgina.

Set betrachtet sie ungläubig.

«Und warum riechst du nach äpfeln?», fragt er.

Georgina blickt ihn verständnislos an. Dann beginnt sie zu lachen: «Das ist das Apfelshampoo, die Seife, mit der ich meine Haare gewaschen habe.»

«Und wie bist du hierher gekommen?»

Darauf hat Georgina keine Antwort. Sie saß in ihrem Bett, betrachtete den Wald auf der Insel, und plötzlich war sie in dem Wald.

«Ich weiß nicht», sagt Georgina.

Sie weiß auch nicht, wie lange sie schon hier ist. Nicht einmal ihre Armbanduhr hat sie an. Gewiss ist das Mittagessen zu Hause längst vorüber. Der Blumenkohl. Mit einer weißen Sauce wäre er nicht so schlecht. Georgina hat Hunger und Silvia wird während des Essens von Irland erzählt haben. Manchmal muss sie für die Fotos mitten im Winter Badeanzüge anziehen oder dicke Mäntel im Sommer, und immer muss sie lächeln. Silvia hat ein gutes Lächeln, wie ein Scheinwerfer erhellt es ihr Gesicht, wenn sie will. Georgina hat es vor dem Spiegel geprobt, aber sie kann es nicht. Silvia erzählt auch von den Fotografen - manche sind berühmt und ihre Bilder erscheinen in französischen und amerikanischen Zeitschriften - und von den Hotels, in denen sie übernachten, den Stränden. Während Silvia spricht, stellt sich Georgina vor, wie sie selbst eines Tages an diese Orte reisen wird, nach Griechenland, Italien - Irland. Georgina schaut die zerfetzte Eibe an. Gehört diese Insel wirklich zu Irland?

Set pflückt die roten Beeren von den herumliegenden Eibenzweigen und steckt sie in den Mund.

«Was machst du denn da?», fragt Georgina erschrocken. «Du hast doch gesagt, sie sind giftig.»

«Die Nadeln sind giftig und die Kerne, aber die Beeren nicht. Das Böse hat immer auch etwas Gutes.» Set spuckt die Kerne aus. «Hast du keinen Hunger, George?»

Der Name klingt seltsam in Georginas Ohren, aber eigentlich gefällt er ihr. Sie schaut die kleinen Beeren an, die zwischen den dunkelgrünen Nadeln wachsen.

«Gibt es Erdbeeren in diesem Wald?», fragt sie.

«Warum willst du Erdbeeren?»

Georgina hat Erdbeeren besonders gern. Bei Frau Hartmann hat sie gelernt, dass eine Erdbeere aus vielen einzelnen Früchten besteht, und jede davon hat einen harten Kern, den man Nüsschen nennt. Die Beeren an den Eibenzweigen sehen aus wie aus Plastik. Georgina pflückt eine und nimmt sie vorsichtig in den Mund. Ein süßer Saft sickert auf ihre Zunge.

Set betrachtet die Eibe und erinnert sich an seine erste Begegnung mit Scathach. Drei Jahre war er von Domnall, Scathachs Helfer, unterrichtet worden. Bei diesem musste er lernen, über glühende Steine zu laufen, auf Speerspitzen zu springen und verschiedene Arten von Schmerz zu ertragen. Nun war Set bereit, Scathach zu suchen. «Wenn du sie findest», sagte Dor, «musst du ihr das Messer auf die Brust setzen, bis sie dir einen Wunsch gewährt. Dann wünschst du dir, dass sie dich unterrichtet.»

Dor war Domnalls Tochter. Sie war hässlich und niemand mochte sie, aber sie hatte Set immer geholfen. Er bedankte sich. Als er die Tränen in ihren hässlichen Augen sah, wandte er sich ab. Er nahm den Weg, der ins Tal der Schatten führte, und er fand die grasbewachsenen Hütten, die sich Scathachs Schüler dort am Ufer des Flusses gebaut hatten. Ferdia umarmte ihn. Die anderen Schüler standen um sie herum. Sie waren größer und älter. Set war wieder der Jüngste.

Ferdia sagte, er müsse die Brücke hinter den Hütten überqueren, dann werde er die Schattenhafte finden. Dreimal versuchte es Set, aber jedes Mal, wenn er die Brücke auf der einen Seite betrat, klappte das gegenüberliegende Ende in die Höhe und warf ihn zurück. Die Schüler lachten. Da sprang Set in einem Satz von einem Brückenende zum anderen, bevor dieses sich rühren konnte. Die Schüler lachten nicht mehr.

Von der anderen Seite der Brücke konnte Set die Eibe sehen. Er wusste, dass Scathach darin war. Er ging dreimal um den Baum herum, bis er den Spalt im Stamm entdeckte, und er erinnerte sich an Dors Worte. Als der Kopf der Schattenhaften in der Abenddämmerung zwischen den Zweigen erschien, hatte er sein Messer bereit. Es war ganz einfach. Ihre drei Augen streiften wie kalte Hände über ihn, und er roch zum ersten Mal den modrigen Geruch ihres Körpers.

«Setanta, der Sohn meines Widersachers», sagte sie und lächelte. Ihr graues Haar war mit den Zweigen verflochten. Sie versprach ihm, ihn in allen Künsten zu unterrichten, die sie kannte, und er steckte sein Messer wieder ein.

Georginas Mund ist klebrig von den Eibenbeeren.

«Die Quelle», erkundigt sie sich, «sollten wir nicht weiter nach der Quelle suchen?»

Set fährt aus seinen Gedanken: «Ja.» Warum hat er die Quelle schon wieder vergessen? Er steht auf. Georginas Mantel ist am linken Ellbogen zerrissen und sie hat den Gürtel verloren. Sie blickt sich in den herumliegenden ästen um, den Farnen, den Büschen. Da glitzert etwas. Georgina stutzt.

«Schau - » Sie deutet auf das Glitzern. Set folgt ihrer Bewegung, humpelt darauf zu, langsam zuerst, dann immer schneller.

«Natürlich!», ruft er und seine Stimme ist mit einem Mal ganz hoch. «Die Quelle.»

Als Georgina näher kommt, sieht sie einen kleinen Tümpel.

«Das Gute ist immer neben dem Bösen», sagt Set triumphierend.

Abwechselnd schöpfen sie Wasser und trinken, bis ihr Durst gelöscht ist. Dann wäscht Georgina ihr Gesicht, Set seine Arme.

«Dein Gesicht ist auch verschmiert», sagt Georgina.

Set taucht den Kopf ins Wasser, und er erinnert sich, wie er von der Küste der Insel aus aufs Meer zurückblickte. Es scheint unendlich lange her.

Für eine Weile ist der Himmel über den Bäumen weiß, dann kommt die Dunkelheit. Set und Georgina sitzen neben der Quelle. Der Hunger ist verschwunden, obwohl sie nur die paar Beeren gegessen haben. Sie sind müde und doch können sie nicht schlafen. Set hat seine Weste ausgezogen. Das Leder ist immer noch feucht, aber der Fleck auf dem Rücken ist verschwunden.

Georgina versucht Set zu beschreiben, woher sie kommt, das Haus am Stadtrand, in dem sie mit ihren Eltern wohnt, den Garten mit den Johannisbeersträuchern, den Bahndamm dahinter, ihren Frosch, das Meerschweinchen.

«Eigentlich hätte ich lieber einen Hund», erklärt Georgina, «aber meine Mutter sagt, ich habe zu wenig Ausdauer, um einen Hund zu haben.»

«Ausdauer?» Set blickt sie fragend an.

«Ja, weil man mit einem Hund jeden Tag spazieren gehen muss.» Set lacht: «Wir haben viele Hunde zu Hause und niemand geht mit ihnen spazieren.»

«Bei uns ist das anders», entgegnet Georgina ein wenig gereizt und beginnt von ihren Schwestern zu erzählen.

«Gleichen sie dir?», fragt Set nach einer Weile. Er hat nur Ziehbrüder wie Ferdia, die andere Eltern haben. Die meisten Jungen werden als kleine Kinder zu befreundeten Familien gegeben und wachsen bei diesen auf. So werden die guten Verbindungen zwischen den Höfen von Generation zu Generation weitergegeben.

«Nein, überhaupt nicht.» Georgina beginnt, Silvia und Dagmar zu beschreiben.

«Und außerdem sind sie viel älter als ich», sagt sie abschließend. «Ich bin immer die Jüngste.»

Set nickt, er ist auch überall der Jüngste. Er erzählt, dass seine Mutter die Schwester des Königs ist, der über den Norden von Erinn herrscht. Georgina will ihn unterbrechen, als sie den Namen des Landes hört, aber Set schildert schon Sualtams Hof. Er beschreibt die Schlafhäuser, Esshäuser, Küchen und Ställe, die sie mit den Familien ihrer Verwandten, ihrer Gäste und Knechte bewohnen, und den hohen, grasbewachsenen Wall, der alles umgibt. Von dem Wachturm des Hofes aus kann man über die grünen Hügel bis zum Meer hinuntersehen.

«Und dein richtiger Vater?», wirft Georgina ein, aber Set scheint es nicht zu hören. Er spricht von Ferdia, seinem Ziehbruder, mit dem er früher auf die Jagd ging. Als Kinder waren sie immer zusammen. Georgina denkt an die Mädchen in ihrer Klasse. Auch die haben Freundinnen, mit denen sie immer zusammen sind. Aber sie interessieren sich nicht für Tiere, nicht einmal für Hunde.

Sie haben keine Lust, am Nachmittag im Park die Kraniche bei der Futtersuche zu beobachten, oder mit dem Planktonnetz Wasserproben aus dem Teich zu nehmen und die Strudelwürmer und Pantoffeltierchen darin unter dem Mikroskop anzuschauen. Und sie haben auch keine Geschwister, die so viel älter sind. Nur im Sport wollen sie Georgina in ihrer Gruppe haben, weil sie so schnell rennen kann.

Im Sommer, erzählt Set, treiben Sualtams Männer das Vieh von Weide zu Weide, und sie schlafen in Zelten, um es zu bewachen. Denn immer wieder versuchen die Stämme aus dem Süden, ihre Kühe zu stehlen.

Manches von dem, was Set erzählt, kommt Georgina bekannt vor. Es erinnert sie an Bücher, Lederstrumpf, Winnetou. Sie hat nicht gedacht, dass jemand wirklich so lebt.

Set nennt die Namen der Feste, zu denen die Leute von weit her auf Sualtams Hof kommen: Lughnasad am Ende des Sommers, wenn die Ernte beginnt, Samain am Anfang des Winters, wenn die Verstorbenen zurückkehren, Imbolc zu Beginn des Frühlings, wenn die Lämmer geboren werden, und Beltane, das Fest des Lichtes, am Anfang des Sommers, wenn alle Feuer gelöscht und wieder entzündet werden, weil die Zeit neu beginnt.

«Alle drei Jahre», sagt Set, «ziehen wir selbst zum Hof des Königs und feiern dort in einer langen, mit frischem Riedgras ausgelegten Halle.»

Georgina versucht sich die Halle vorzustellen, die Fässer mit Bier, die silbernen Schalen. Die Gestalten, die sich im Schein der Feuer bewegen, sind freundlich, und doch erfüllt das Bild sie mit einem quälenden Gefühl. Nach dem Essen führen die Männer ihre Künste vor, werfen Speere, schießen Pfeile durch Ringe, springen... Sets Stimme zieht wie eine Melodie durch Georginas Kopf und irgendwann verliert sie sich ...